Das Darmstädter Echo berichtete gut über die Woche der Evangelischen Allianz Darmstadt gegen Sklaverei, bei der ich zwei Vorträge hielt (siehe hier). Mit dem Bericht druckte das Darmstädter Echo auch einen „Protest“ des linken „Politnetz Darmstadt“.

Dazu verfasste ich folgenden Leserbrief, der auf der Seite der Darmstädter Evangelischen Allianz erschien (siehe hier):

Zum „Hintergrund“ des Artikels „Schaut nicht weg“ – stoppt Sklaverei

Danke für die gute und faire Berichterstattung! Aber das, was im Kasten „Hintergrund“ die dort Interviewten sagen, möchte ich doch richtig stellen, auch wenn der lange Bericht selbst schon einiges richtig stellt. Da ich Hauptreferent der Aktion der Darmstädter Evangelischen Allianz war, hätte das Politnetz Darmstadt vor seiner Abgrenzung von den Aktionstagen gegen Menschenhandel ja einmal in mein Buch „Menschenhandel“ schauen können, das den inhaltlichen Hintergrund der Aktion bildete und in viele Exemplaren Samstag/Sonntag verkauft wurde. Da wird selbstverständlich Prostitution und Zwangsprostitution auseinandergehalten, wie es während der ganzen Aktion nur um Zwangsprostitution ging – wären die Kritiker vor Ort gewesen, hätten sie das gewusst. Das Schild „Näherin“ bezog sich ebenso auf Sklaverei (in Indien gibt es natürlich auch „Näherin“ – wie auf einem Schild zu lesen – als normalen Beruf), wie das Schild „Prostituierte“, gemeint war natürlich immer Menschenhandel und brutale Ausbeutung. Die Methode, Aufmerksamkeit durch umgehängte Schilder zu erregen, wird weltweit eingesetzt und war auch in Darmstadt erfolgreich. Die meisten Aktionen von Menschenrechtsorganisationen sind etwas schräg und ja gerade deswegen erfolgreich. Deswegen eine Aktion gegen Menschenhandel nicht zu unterstützen, ist schon merkwürdig. Und die Betroffenen fühlen sich von so etwas sicher weniger betroffen, als davon, dass das Politnetz die Unterstützung für eine solche Aktion verweigert.

Vor allem aber protestiere ich gegen die Darstellung der Evangelischen Allianz als merkwürdigem, rechten Haufen. Die Weltweite Evangelische Allianz hat 600 Millionen Mitglieder weltweit und ist unter anderem aus der Antisklavereibewegung des 18./19. Jahrhunderts erwachsen. Sie ist auch heute noch eine der aktivsten religiösen Großverbände weltweit gegen Menschenhandel und wurde deswegen jüngst etwa vom UN-Generalsekretär und von Präsident Barack Obama gelobt. Dass „einige nahestehende Missionswerke fragwürdige Einstellungen“ haben, müsste man natürlich erst einmal beweisen, sagt aber nichts über die Evangelische Allianz als solche. Zudem ist man bei uns Mitglied oder nicht, aber nicht „nahestehend“. Mein Buch „Rassismus“ lässt mich über Anwürfe, „rechts“ zu sein, nur schmunzeln. Ich bin aber vor allem erschüttert, dass solch kleinliche Abgrenzungen dazu führen, im Kampf gegen Menschenhandel nicht zusammenzustehen, sondern sich einen Luxus der Fragmentierung zu leisten, der nur den Druck auf die Politik unnötig schmälert. Menschenhandel bringt mit die grausamsten Menschenrechtsverletzungen hervor, da sollten alle Menschen guten Willens zusammenarbeiten. Ich jedenfalls bin mit meinem Thema ebenso beim Papst gewesen wie bei der SPD-Fraktion in Sachsen-Anhalt, beim Mufti von Istanbul wie bei Polizeipräsidien und Frauenverbänden, und kann mir den Luxus nicht erlauben, wegen anderer Meinungsverschiedenheiten in dieser Sache nicht zu kooperieren. In Augsburg wurde mein Vortrag flankiert von Vertretern fast aller Parteien von rechts nach links, vom Vorsitzenden des Ausländerbeirates ebenso wie von Frauenverbänden, vom Oberbürgermeister ebenso wie von Betroffenen. So wird ein Schuh daraus.

Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher, Botschafter für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz

 

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