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Immer wieder beklagen sich allerlei Leute, sie würden Hass-E-Mails und Hasskommentare auf Blogseiten oder sonstige Hassbotschaften bekommen. Das zeige, wie abwegig die Positionen Andersdenkender seien. Im Regelfall verschweigen sie aber, dass ihre inhaltlichen Gegner solche Hass-E-Mails und Hasskommentare ebenfalls bekommen.

Oder anders gesagt: Oft scheint die Existenz von Hass-E-Mails als Argument benutzt zu werden, die Gegenseite müsse Unrecht haben, wenn es unter ihnen solche gäbe, die derartigen Hass säen, statt vernünftig zu argumentieren. Nur haben dann alle Seiten Unrecht! Da im Zeitalter der Kommentarfunktionen Unflätiges zur Alltagsbeschäftigung von Millionen geworden ist, hat jede Sichtweise und Richtung damit zu kämpfen, dass einige ihrer Vertreter andere unflätig beschimpfen. Ein Argument pro oder contra irgendeine Position ist das sicher nicht.

So sehr man sagen mag, dass es reine Unsicherheit sei, wenn man meint, nur mit Hass und Beschimpfung argumentieren zu können, so sehr könnte man dann genauso sagen, dass der, der keine Argumente gegen den anderen mehr hat, auf den Vorwurf zurückgreift, von der Gegenseite kämen Hassebotschaften, und das zeige, wie sie wirklich dächten und seien.

Die eine Seite einer Debatte tut also manchmal so, als wenn nur sie solch üble Brühe übergegossen bekäme. In Wirklichkeit ergeht diese Brühe über fast alle Politiker und Politikerinnen nieder, ob links, ob rechts und welcher Farbe auch immer. Sie ergeht mehr und mehr über jeden, der eine Position vertritt. Atheisten werden Opfer von unflätigen Botschaften frommer Menschen. Fromme Menschen werden Opfer unflätiger Kommentare von Atheisten. Usw.

Wessen Beschwerde über Hassangriffe aber an die Öffentlichkeit kommt, entscheiden die Medien, die Kirchen, überhaupt die „Mächtigen“, und zwar oft einseitig. Die Beschimpften, die keine Macht haben, können das oft kaum kommunizieren, außer in den sozialen Medien.

„Verhasste Vielfalt“

Jüngst hat auch die EKD und ihr Genderzentrum Hass-E-Mails untersucht, aber leider offensichtlich nur die aus einer Richtung. Die Studie zu Hass-E-Mails und -briefen „Verhasste Vielfalt“ soll in Kürze erscheinen. Warum hat man nicht fair und wissenschaftlich interessiert alle Hass-E-Mails untersucht, nicht nur die gegen bestimmte eigene Positionen? Von der Kirche hätte ich mehr erwartet, so wird sogar Kritik aus der Mitte der Kirche selbst nicht aufgegriffen. (Vielleicht ist ja die Studie am Ende besser, als die Ankündigung vermuten lässt.)

Im Regelfall sind im Übrigen die Hass-E-Mails und Hass-Botschaften gegenüber der Polizei am schlimmsten, nochmal schlimmer die gegenüber Polizistinnen, aber das anzuprangern, gilt selten als politisch korrekt. Das Genderzentrum der EKD hat solche Hassbotschaften jedenfalls noch nicht untersucht, und das, obwohl doch Polizistinnenbeschimpfung sicher in ihr Portfolio gehört, und das, obwohl auch alle evangelischen Kirchen unter dem täglichen Schutz unserer Sicherheitsbehörden leben.