Vor einiger Zeit habe ich eine Stellungnahme zu Martin Erdmanns Buch „Der Griff zur Macht“ veröffentlicht, die auch verschiedentlich abgedruckt wurde (z. B. in Bibel und Gemeinde 112 Jg. 2012, Heft 3: S. 53–64). Darauf sind neben zustimmenden Reaktionen auch teils ausführlichere Kritiken erschienen. Warum komme ich der Bitte nicht nach, die Diskussion weiterzuführen?

Ich glaube, dass die Diskussion ein Niveau erreicht hat, das es schwer macht, den biblisch-theologischen Kern der Frage zu diskutieren. Die Diskussion wird mehr und mehr von typischen Unarten des Internets bestimmt, das heißt, dass die Chat-Sitte des Zeitgeistes, bei Kommentaren das Gefühl für Anstand zu verlieren, zu sehr Einzug gehalten hat.

Damit meine ich vor allem die an das Buch angelehnte Webseite www.dominionismus.info, deren Kommentare aber oft auf der auch nicht gerade zimperlichen Seite www.der-ruf.info übernommen werden (und umgekehrt), auch die hier bemängelten. Ich habe das Empfinden, dass hier überwiegend Autoren ihrem Ärger mit ‚deutlicher‘ Sprache Luft machen, nicht aber ernsthaft exegetisch und theologisch um die Wahrheit ringen und die Texte anderer zuvor gründlich studieren. Der Ton erreicht das Niveau vieler Internetplattformen, Chats und Kommentare unter Webveröffentlichungen, wo jeder einmal ‚Dampf ablassen‘ kann. Wie dort über Mitmenschen gesprochen wird (ich sage nicht „Mitchristen“, weil mir und vielen anderen dort ja gerade das Christsein abgesprochen wird), ist unchristlich und oft dazu faktisch falsch. Wenn ich alle Erwähnungen meiner Person zusammen nehme, finde ich dort eine Fratze meiner selbst, bestenfalls belegt mit Medienberichten über mich (die selten korrekt wiedergeben, was ich wirklich gesagt und gemacht habe). Dagegen setzt sich keiner gediegen mit meinen vielen Veröffentlichungen auseinander.

Allerdings brauchen sie das auch gar nicht, denn die Aussage, die sich durch den Blog und andere Veröffentlichungen (und natürlich schon durch das Buch von Martin Erdmann) zieht, ist, dass ich genauso wie viele andere Vertreter anderer theologischer Richtungen lüge, subversiv schreibe und alles verschleiere (z. B. hier), also das, was ich sage, sowieso eher das Gegenteil von dem ist, was ich wirklich denke. Und was ich denke, aber keinem sage, wissen die Autoren offensichtlich besser, als ich selbst. Sich von anderen theologisch abzusetzen, ist die eine Sache, anderen Lüge, Betrug, Subversion zu unterstellen und deswegen ihre originalen Aussagen, Reden und Texte für Irreführung zu halten, eine ganz andere. Das macht ein vernünftiges Gespräch unmöglich, weil ja nichts, was ich schreibe, als meine wahre Sicht angesehen wird.

Zwei auf mich bezogene Beispiele müssen genügen, so sehr ich mich auch gerne vor andere, dort Mitchristen stellen würde, die beleidigt werden. Ich nenne dabei bewusst die Namen der Autoren nicht, auch wenn ich natürlich die QuellenLinks angebe.

Wenn mich etwa – und andere noch stärker – „die emergente Geisteskrankheit“ (vgl. hier) befallen hat, dann hat sich da jemand im Ton vergriffen. Einmal davon abgesehen, dass dies auch fälschlich vermittelt, ich würde zur emergenten Bewegung gehören, was falsch ist, gleich wie weit oder eng man emergent definiert. Wobei allerdings für das Urteil als Beweis schon ausreicht, dass ich dort gute Kontakte und Freunde habe, was tatsächlich so ist. Die Diskussion über die Sichtweisen und Forderungen der emergenten Bewegung müssen geführt werden, aber nicht emotional, polemisch und ad personam, sondern nach gutem Zuhören und Verständnis und mit der offenen Bibel und in ernstem Suchen.

Toll ist auch, was die Seite so alles über mich zu berichten weiß, was ich noch gar nicht über mich wusste, um zu belegen, dass ich vom Glauben abgefallen bin. So heißt es zu einem Telefonanruf: Da „war Thomas in Zeitnot, er musste eilig zum Flugplatz, weil er nach Damaskus fliegen musste, um mit Assad zu konferieren“ (siehe hier). Das wird zum Argument, dass ich in Aktionismus verfallen bin, statt das Evangelium zu verkündigen. Nur bin ich nie bei Assad (oder seiner Regierung) gewesen. Zudem verstehe ich nicht, wieso es ein theologisches Problem ist, wenn ich am Telefon sage, dass ich zum Flughafen muss. Im Übrigen: Wäre ich bei Assad gewesen, dann – wie bei meinen Besuchen bei anderen Würdenträgern aller Art und bei meinen Besuchen von christlichen Flüchtlingen aus Syrien in der ganzen Region –, um mich für verfolgte Christen einzusetzen. Und um das Evangelisieren drücke ich mich bei solchen Besuchen auch nicht. Allein um zu beschreiben, wer die Weltweite Evangelische Allianz ist, kann ich ja gar nicht anders, als das Evangelium kurz darzustellen.

Dass mich Menschen anrufen und meine Reaktion dazu am nächsten Tag auch gegen meinen Willen abdrucken, bin ich von mancher säkularen Presse oder Webseite gewohnt. Dass Mitchristen noch eins drauf setzen und abdrucken, ob ich dabei in Eile war und was für private Pläne ich habe, ist ein schlechtes Omen. Christen überholen hier den Zeitgeist, der Privates ungefragt ins Web zerrt. Muss ich ab jetzt bei jedem Telefonat befürchten, dass private Gespräche öffentlich werden und auch abgedruckt wird, ob ich dabei laut oder leise gesprochen habe, müde war, Kaffee getrunken habe oder das Gespräch beenden musste, weil ein Termin anstand?

Die Zehn Gebote bleiben auch bei biblisch-theologischen Auseinandersetzungen in Kraft! Brüder von www.dominionismus.info, bitte kehrt zu einer gediegenen Auseinandersetzung über das Verständnis biblischer Texte zurück, nehmt ernst, was andere sagen und schreiben und lasst Euch nicht so vom (Internet-)Zeitgeist in Wortwahl und Argumentationsweise mitreißen!

 

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