Sant’Egidio campaigns against the Persecution of Christians at its International Meeting for Peace

Thomas Schirrmacher during his lecture, at the far right the President of Sant’Egidio, Marco Impagliazzo

Thomas Schirrmacher during his lecture, at the far right the President of Sant’Egidio, Marco Impagliazzo

(Bonn, 21.10.2015) Beim in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, stattfindenden „Internationalen Friedenstreffen“ der internationalen katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, einem der größten interreligiösen Dialogtreffen der Welt mit Spitzen aller Weltreligionen, hat der Moderator der Beziehungen zu anderen Kirchen und Religionen der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Menschenrechts- und Religionsfreiheitsexperte Thomas Schirrmacher, die weltweite Christenheit dazu aufgefordert, angesichts der Weltlage aus der Lethargie zu erwachen und eine nie gekannte Solidarität zu beweisen. Es gäbe Politiker, Journalisten und Führer nichtchristlicher Religionen, so Schirrmacher, die sich intensiver öffentlich für das Schicksal verfolgter Christen einsetzten als viele Kirchenführer.

Schirrmacher sprach in einem Panel mit Vertretern aller großen Konfessionen, das vollständig im Internet abrufbar ist.

In seinem Beitrag übte Schirrmacher scharfe Kritik an seiner „Zunft“, den wissenschaftlich arbeitenden Theologen. Zum einen ignoriere die akademische Theologie aller Konfessionen nach wie vor das Thema Martyrium weitgehend. Dabei gehöre dieses Thema in die Christologie und die Pneumatologie, aber auch eine christliche Ekklesiologie sei ohne eine ausführliche Einbeziehung des Themas „Leiden für Christus“ nicht zu behandeln. Davon sei aber etwa in den Dogmatiken kaum etwas zu finden. Aber auch Kirchengeschichte, Pastoraltheologie und Liturgie müssten das Thema viel intensiver behandeln.

The panel on the persecution of Christians

The panel on the persecution of Christians

Warum höre man nicht viel stärker auf Theologen, die in Verfolgungssituationen lebten und wirkten. Warum wird das, was sie schreiben, nicht als echte, geschweige denn als wissenschaftliche Theologie akzeptiert?

Aber nicht nur die Theologie sei in dieser Frage nach wie vor weitgehend westlich dominiert und ignoriere die Alltagsrealität des Leidens vieler Kirchen, auch der kirchliche Betrieb gehe weitgehend daran vorbei. Und noch immer konzentriere sich die Solidarität mit verfolgten Christen weitgehend auf die eigene Konfession.

Kein Christ und keine Kirche könne aber sagen, dass sie zur einfachsten Form der Solidarität, dem Gebet, keine Zeit, kein Personal und keine Finanzmittel hätten. Ein kurzes Gebet für die von schierer Gewalt betroffenen Christen müsste eigentlich einen festen Platz in jedem Sonntags-Gottesdienst, in jeder kirchlichen Veranstaltung und in jedem persönlichen Morgen- und Abendgebet haben.

Thomas Schirrmacher in discussion with the President of Montenegro and the representative of the Serbian Orthodox Church

Thomas Schirrmacher in discussion with the President of Montenegro and the representative of the Serbian Orthodox Church

Der Einsatz für verfolgte Christen habe eine positive Wirkung auf ökumenische Beziehungen. Nicht nur gäbe es eine Ökumene der Märtyrer, sondern im Leiden für Christus erkennen wir im anderen oft erst den Mitchristen. Noch vor 50 Jahren hätten die meisten Christen die sieben altorientalischen Kirchen (Kopten, Syrer, Armenier, Äthiopier usw.), die derzeit am bittersten leiden, wegen ihres vermeintlichen „Monophysitismus“ („Einnaturenlehre“) gar nicht als Christen akzeptiert. Das sei aber Geschichte, längst sei erkannt, dass diese Kirchen im Wesentlichen das Gleiche mit einer anders verwendeten Begrifflichkeit sagen.

Der Präsident von St. Aegidio, Marco Impagliazzo, der das Panel moderierte, nannte Schirrmacher den vielleicht besten Kenner der Lage der Christenverfolgung weltweit, und zwar aller Konfessionen. Mehrfach habe er auch mit dem Papst persönlich darüber gesprochen. In Kürze werde einer seiner Visionen in Tirana Wirklichkeit: Eine ökumenische Konferenz, in der verfolgte Kirchenführer aller Konfessionen anderen Kirchenführern über ihre Lage berichteten. Diese Konferenz Anfang November werde unter dem Dach des Global Christian Forum (Generalsekretär: Larry Miller) vom Vatikan, dem Ökumenischen Rat der Kirchen, der Weltweiten Evangelischen Allianz und der Pentecostal World Fellowship durchgeführt.

Der Gründer von Sant’Egidio, Andrea Riccardi, hatte im Jahr 2000 ein Buch zum Thema Christenverfolgung („Il secolo del martirio. I cristiani nel Novecento“) geschrieben, das 2002 unter dem Titel „Salz der Erde, Licht der Welt: Glaubenszeugnis und Christenverfolgung im 20. Jahrhundert“ auf Deutsch erschien. Seitdem ist Sant’Egidio neben ‚Church in Need‘ (‚Kirche in Not‘) wohl die internationale katholische Organisation, die sich am intensivsten mit dem Thema Märtyrer und Christenverfolgung beschäftigt und deswegen auch enge Beziehungen zum Internationalen Institut für Religionsfreiheit unterhält, etwa zum Vertreter des IIRF in Rom, Prof. Dr. Thomas K. Johnson.

Thomas Schirrmacher in discussion with the President of Albania and the President of the Parliament of Tunisia

Thomas Schirrmacher in discussion with the President of Albania and the President of the Parliament of Tunisia

 

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List of Thomas Schirrmacher’s Discussion Partners (a Selection)

Politicians

  • Bujar Nishani, President of Albania
  • Filip Vujanović, President of the Republic of Montenegro
  • Edi Rama, Prime Minister of Albania
  • Andrea Orlando, Justice Minister, Italy
  • Kamal Muslim, Minister of Religious Affairs, Kurdistan
  • Khalid Jamal Alber, General Director for Christian Affairs, Ministry of Endowment and Religious Affairs, Kurdistan
  • Abdelfattah Mourou, President of the Parliament of Tunisia
Thomas Schirrmacher and Louis Raphaël I Sako, Patriarch of Babylon

Thomas Schirrmacher and Louis Raphaël I Sako, Patriarch of Babylon


Muslims

  • Muhy al-Din Afifi, General Secretary of the Al-Azhar Islamic Research Academy, Egypt
  • Din Syamsuddin, Cnhairma, Indonesian Ulema Council Center, Jakarta, Indonesia
  • Sayyed Mohammad All Abtahi, President of the Institute for Interreligious Dialogue, Iran
  • S. Abulhasan Navab, President of the University of Religions, Qom, Iran
  • Seyed Mohammad Ali Abtahi, President of the Institute for Interreligious Dialogue, Teheran, Iran
  • Muhammad Abd-ul-Khabìr Azad, Grand Imam of the Central Mosque in Lahore, Pakistan
  • Hajji Baba Mondi, Leader of the World Bektashi Community
  • Mhamed Krichen, Newscaster and Moderator (“Principal Presenter”), Aljazeera Media Network, Qatar
  • Abd Al-Hay Azab, President of Al-Azhar University, Cairo, Egypt


Jews

  • Abraham Skorka, Rector of the Marshall T. Meyer Rabbinical Seminary, Argentina
  • Oded Wiener, Former General Director of the Chief Rabbinate of Israel


Christians

  • Andrea Riccardi, Professor of History and Founder of the Sant’Egidio Community
  • Ignatius Aphrem II, Patriarch of the Syriac-Orthodox Church, Damascus, with his Secretary Archbishop Dionysius Jean Kawak
  • Anastasios, Archbishop and Head of the Albanian Orthodox Church
  • Louis Raphaël I Sako, Patriarch of Babylon of the Chaldeans, Iraq
  • Ole Christian Maele Kvarme, Bischop of Oslo, Norway
  • Cardinal John Olorunfemi Onalyekan, Archbishop of Abuja, Nigeria
  • Epiphanios, Coptic Archbishop, Egypt
  • Pauolo Lockmann, Sao Paulo, Brazil, President of the World Methodist Council
  • Armash Nalbandian, Primate of the Armenian Church of Damascus, Syria
  • Marco Gnavi, Rom, President of Sant’Egidio
  • Dr. Elona Prroj, Vice General Secretary of the Evangelical Alliance of Albania, Human Rights Activist against Blood Vengeance
  • Indunil J. Kodithuwakku, Secretary, Pontifical Council for Interreligious Dialogue
  • Archbishop Vincenzo Pagila, President of the Pontifical Council for the Family
  • Vasilios, Metropolit, Orthodox Church of Cyprus
 

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