Die Geschichte der Zehn Plagen in 2Mose/Exodus 5-14 wird gerne als Musterbeispiel für Prädestination zitiert, dafür also, dass Gott die Geschichte lenkt, heißt es doch immer wieder, sogar schon vor den Ereignissen, Gott werde und habe das Herz des Pharaos verstockt. Doch tatsächlich verschränken sich hier die Souveränität Gottes und die persönliche Verantwortung des Pharao, der sich mehr und mehr gegen Gott wendet, bis zur Unkenntlichkeit.

Schritt für Schritt erkennt der Pharao die Wahrheit. Schließlich bekennt er sogar zweimal deutlich, gesündigt zu haben. Mehrfach bittet er Mose, er möge für den Pharao zu Gott beten. Unter den Hofbeamten drängen viele den Pharao, doch endlich nachzugeben und einige sehen sogar Gott am Werk und schenken seinen Ankün­digungen Glauben. Es geht hier um keine einlinige Ablehnung der Botschaft Gottes durch den Pharao, sondern um das Auf und Ab einer auch ganz per­sönlichen Tragödie. Wie nah war der Pharao der Wahrheit!

Im folgenden wird zu jeder Plage das Hauptergebnis in Bezug auf Gottes Plan und die Verantwortung des Pharaos beschrieben, dann unter „genannt“ gelistet, was konkret dazu gesagt wird und schließlich unter „wichtig“ dazu Ergänzendes gesagt.


Vor der 1. Plage: Die beiden ersten Begegnungen (2Mose 5,1–6,1 + 6,28–7,13):

Der Pharao fragt beim ersten Mal, von welchem Gott eigentlich die Rede sei und schlägt die Bitte bei der zweiten Begegnung aus, als seine Priester Moses Wunder nachahmen können.
(genannt: Gott hat Pharaos Herz verstockt [4,21]; Gott hat den Pharao verhärtet [7,3–4]; der Pharao blieb verstockt [7,13], wie es Gott gesagt hatte [7,13])

Wichtig: Bereits 4,23 wird angedroht, dass letztendlich die Erstge­borenen Ägyptens sterben werden, falls der Pharao nicht einlenkt.

 
Die 1. Plage: Wasser zu Blut (2Mose 7,14–25):

Der Pharao schlägt die Bitte aus, als seine Priester Moses Wun­der nachahmen können.
(genannt: Gott stellt vorher fest, dass der Pharao verstockt ist [7,14]; der Pharao blieb verstockt [7,22], wie es Gott gesagt hatte [7,22]; der Pharao wendet sich ab [7,23])

 
Die 2. Plage: Frösche (2Mose 7,26–8,11):

Der Pharao bittet Mose, für ihn zum Herrn zu beten und kündigt an, einlenken zu wollen! Als er aber von dem Problem befreit ist, verstockt er sich und löst sein Versprechen nicht ein.

Die Priester können bezeichnenderweise zwar die Frösche herbei­schaffen (8,3), aber offensichtlich nicht wieder fortschaffen (8,4)!

(genannt: der Pharao verstockt sein Herz [8,11], wie es Gott ge­sagt hatte [8,11])

8,4: „Da rief der Pharao Mose und Aaron und sagte: Betet zum Herrn, damit er die Frösche von mir und meinem Volk weg­schafft! Dann will ich das Volk ziehen lassen, und sie mögen dem Herrn opfern.“
8,6: Mose zu Pharao: „Nach deinem Wort geschehe es, damit du erkennst, dass niemand ist wie der Herr, unser Gott.“    
8,11: „Als aber der Pharao sah, dass die Erleichterung eingetreten war, verstockte er sein Herz, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr geredet hatte.“

 
Die 3. Plage: Mücken (2Mose 8,12–15):

Die Priester können Moses Wunder nicht mehr nachmachen (8,14) und erkennen nun in dem Wunder Gottes Finger (8,15), aber der Pharao hört nicht auf seine eigenen Ratgeber (8,15).
(genannt: Verstockung des Pharao [8,15] und Gottes Vorhersage [8,15])

8,15: „Da sagten die Priester zum Pharao: Das ist der Finger Gottes! Aber das Herz des Pharao blieb verstockt, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr geredet hatte.“

 
Die 4. Plage: Stechfliegen (2Mose 8,16–28):

Diesmal wird erstmals Israel verschont (8,18-19). Der Pharao will Israel ziehen lassen (8,21+24) und bittet Mose, dass er für ihn, den Pharao, betet (8,28). Dennoch verstockt er sich, als das Problem beseitigt ist.
(genannt: der Pharao verstockte sich [8,28])    

8,24: Der Pharao zu Mose: „Betet für mich!“

 
Die 5. Plage: Viehpest (2Mose 9,1–7):



Erneut wird Israel verschont (9,4+6+7), ohne dass es den Pharao rührt.
(genannt: der Pharao blieb verstockt [9,7])

 
Die 6. Plage: Geschwüre (2Mose 9,8–12):

Die Priester des Pharaos sind selbst betroffen und erscheinen nicht mehr vor dem Pharao (9,11). (Vermutlich wurde auch dies­mal Israel verschont.)
(genannt: Gott verstockt Pharao [9,12]; der Pharao hört nicht [9,12])

 
Die 7. Plage: Hagel (2Mose 9,13–35):

Der Pharao gesteht seine Sünde ein und bittet darum, für ihn zu Gott zu beten (9,27–28), aber Mose erkennt, dass er Gott noch im­mer nicht wirklich fürchtet (9,30).

Etliche Diener des Pharao fürchten den Herrn und hören auf den Rat des Mose, der Pharao selbst jedoch nicht (9,20). Israel wurde wieder verschont (9,26).
(genannt: der Pharao ist hochmütig [9,17]; er verstockte sich „und sündigte weiter“ [9,34]; er blieb verstockt, wie es Gott gesagt hatte [9,35])

9,14: Gott durch Mose zum Pharao: „Denn diesmal will ich all meine Plagen in dein Herz, unter deine Hofbeamten und unter dein Volk schicken, damit du erkennst, dass niemand auf der gan­zen Erde so wie ich ist.“
9,20: „Wer unter den Dienern des Pharao das Wort des Herrn fürchtete, ließ seine Knechte und sein Vieh in die Häuser flüch­ten.“
9,27–28: „Diesmal habe ich gesündigt. Der Herr ist der Ge­rechte, ich aber und mein Volk sind die Schuldigen. Betet zum Herrn, dass es mit dem Donner Gottes und dem Hagel genug ist! Dann will ich euch ziehen lassen, und ihr braucht nicht länger zu blei­ben.“
9,30: „Ich habe erkannt, dass du und deine Hofbeamten euch im­mer noch nicht vor Gott, dem Herrn, fürchtet.“

 
Die 8. Plage: Heuschrecken (2Mose 10,1–20):

Die Hofbeamten fordern den Pharao auf, Israel endlich ziehen zu lassen (10,7). Der Pharao bekennt noch deutlicher seine Sünde (10,16–17), än­dert aber seine Meinung. nachdem das Problem beseitigt ist.
(genannt: Gott hatte den Pharao verstockt [10,1+20])

10,7: „Da sagten die Hofbeamten des Pharao zu ihm: Wie lange soll uns dieser Mann noch eine Falle sein? Lass die Leute ziehen, damit sie dem Herrn, ihrem Gott, dienen! Erkennst du denn nicht, dass Ägyp­ten verloren ist?“
10,16–17: Der Pharao zu Mose: „Ich habe gesündigt gegen den Herrn, euren Gott, und gegen euch! Und nun vergib doch meine Sünde nur noch dieses eine Mal und be­tet zum Herrn, eurem Gott, damit er diesen Tod von mir wegnimmt!“

 
Die 9. Plage: Finsternis (2Mose 10,21–29):

Der Pharao, der eben noch zugab, sich versündigt zu haben, macht eine Kehrtwendung und sieht nun gar nichts mehr ein. Statt dessen droht er Mose mit Mord (10,28).
(genannt: Gott verstockte den Pharao [10,27])

10,28: „Und der Pharao sagte zu ihm: Geh weg von mir! Hüte dich, mir nochmals unter die Augen zu treten! Denn an dem Tag, an dem du mir wieder unter die Augen trittst, wirst du sterben.“

 
Androhung der 10. Plage: Tod der Erstgeburt (2Mose 11,1–10):

Mose ist inzwischen ein sehr angesehener Mann bei den Männern des Pharao (11,3)
(genannt: Gott hatte den Pharao verstockt [11,10])

11,3: „Und der Herr gab dem Volk Gunst in den Augen der Ägypter. Mose war im Land Ägypten sogar sehr angese­hen, sowohl in den Augen der Hofbeamten des Pharao, als auch in den Augen des Volkes.“
11,8–9: Mose geht nach der Androhung der letzten Plage „in glü­hendem Zorn“ für immer vom Pharao weg, da er von Gott wusste, dass der Pharao immer noch nicht hören würde.

 
Die 10. Plage: Tod der Erstgeburt (2Mose 12,29–33 + 13,15):

(genannt: „Denn es geschah, als der Pharao sich hartnäckig wei­gerte, uns ziehen zu lassen …“ [13,15])

12,30–31: „Da stand der Pharao nachts auf, er, alle seine Hofbe­amten und alle Ägypter, und es entstand ein großes Geschrei in ganz Ägypten, weil es keine Familie gab, in dem nicht ein Toter war. Und er rief Mose und Aaron nachts herbei und sagte: Macht euch auf, zieht aus der Mitte meines Volkes fort, ihr und die Kin­der Israel, und geht hin, dient dem Herrn, wie ihr ge­sagt habt!“

 
Nach der 10. Plage: Auszug aus Ägypten (2Mose 12,34–42 + 13,17–14,31):



Trotz seines Versprechens und der riesen Tragödie hat der Pha­rao immer noch nicht genug und will Israel zurückholen, so dass schließlich sein Heer, nach Ps 136,15 auch er selbst, bei der Verfol­gung ertrinkt (14,28).
(genannt: Gott verstockt den Pharao, so dass er Israel nachjagt [14,4]; „da wandte sich das Herz des Pharao“ [14,5]; Gott verstockt die Ägypter [14,17])


Wer verhärtete den ägyptischen Pharao?

  1. Gott verhärtet den Pharao oder die Ägypter: 2Mose 4,21; 7,3; 9,12; 10,1+20+27; 11,10; 14,4+8 und 2Mose 14,17 (Volk).
  2. Ohne Angabe des Verursachers: 2Mose 7,13+14+22; 8,15+28; 9,7+35.
  3. Der Pharao verhärtet sein Herz: 2Mose 8,11; 9,34 (vgl. 1Sam 6,6; Spr 28,14).

„Die Verstockung ist so beides, göttliche That und zugleich ei­gene That des Subjekts, wie denn bei­derlei Ausdrücke wechseln … In erster Beziehung ist die Verstockung Wirkung des göttlichen Zorns.“ (Oehler)

Das Wort „verstocken“ kommt im Neuen Testament als Ver­stockung durch Gott in Mt 13,15; Joh 12,40; Apg 28,27; Röm 9,18; 11,7; 2Kor 3,14 vor, als selbstverschuldete Verstockung des Menschen oder als Warnung davor in Mk 3,5; Apg 19,9; Röm 2,5; Hebr 3,8+13+15; 4,7.

[Zitat: Gustav Friedrich Oehler. Theologie des Alten Testaments. J. F. Stein­kopf: Stutt­gart, 18913. S. 258. Vgl. auch Karl Ludwig Schmidt. „Die Verstockung des Menschen durch Gott“. Theologische Zeitschrift 1 (1945) 1: 1–17. Zum letzten Satz: Es wurden hier alle Texte untersucht, in denen Luther mit „verstocken“ über­setzt (vgl. ebd. S. 5). Im Griechischen und He­bräischen stehen dafür unter­schiedliche Begriffe (vgl. ebd. S. 9–15).]

 

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One Comment

  1. Helge Preising 24. September 2014 at 10:38

    Vielen Dank für diese präzisen exegetischen Beobachtungen und die übersichtliche Zusammenstellung. Da schlägt mein Theologenherz gleich höher.

     

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