Das letzte Geschenk, dass ich Zakka I. überreichte (Foto: TS)

Das letzte Geschenk, dass ich Zakka I. überreichte (Foto: TS)

Das 121. Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas, ist im 81. Lebensjahr in einem Krankenhaus in Kiel nach langer schwerer Krankheit gestorben. Als ‚Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient‘ wurde er von seiner Kirche als 121. Nachfolger des Heiligen Petrus angesehen. Inzwischen ist sein Nachfolger gewählt, Ignatius Aphram II. Karim, den ich erfreulicherweise von früheren Begegnungen her kenne.

Ich habe in Patriarch Zakka I. einen Freund verloren, der von seiner Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil als junger Theologe bis zu den höchsten Ehrenämtern im Ökumenischen Rat der Kirchen als Patriarch, für andere Kirchen und Christen und auch für die Weltweite Evangelische Allianz immer ein offenes Ohr hatte.

Da der Patriarch in Deutschland verstarb, möchte ich auf die wichtige Rolle hinweisen, die Deutschland für ihn gespielt hat. Er war ein Freund Deutschlands und betete regelmäßig für unser Land. Kein Land außerhalb des Nahen Ostens hat er öfter besucht als Deutschland (1993, 1998, 2000, 2001, 2012), hier war er sogar öfter als in Indien, wo sich der größere Teil der syrisch-orthodoxen Kirche befindet. In Deutschland lebt auch neben dem Nahen Osten und Indien die größte Gemeinde in einem Land, nämlich 100.000 syrisch-orthodoxe Christen. Ich habe in meinem Grußwort an den Patriarchen bei seinem letzten Auslandsbesuch darauf hingewiesen, dass die große Zahl der syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland mit der Verfolgung im Zusammenhang mit dem Untergang des Osmanischen Reiches vor 100 Jahren zusammenhängt:

„In seiner anschließenden Ansprache erinnerte Schirrmacher daran, dass die syrisch-orthodoxe Kirche nicht erst seit dem Bürgerkrieg neuzeitliche Verfolgungserfahrung habe. Dass heute 300.000 syrisch-orthodoxe Christen und deren Nachkommen in Europa lebten, habe bereits Ende des 19. Jahrhunderts begonnen und vor etwa 100 Jahren seinen ersten Höhepunkt erreicht, als Zigtausende aus der Türkei vertrieben wurden. Er bedauerte, dass das derzeitige Schicksal der Kirche in Syrien, die zwischen den Fronten aufgerieben werde, kaum das Interesse der Medien und Politik fände.“ (Quelle)

Zakka I. im letzten Gottesdienst, den er in Deutschland feierte (Foto: TS)

Zakka I. im letzten Gottesdienst, den er in Deutschland feierte (Foto: TS)

Es sei zudem daran erinnert, dass der Patriarch nicht nur das Leiden der Christen in Syrien aus nächster Nähe kannte, sondern auch das im Irak, war er doch vor seiner Wahl zum Patriarchen fast zwei Jahrzehnte Metropolit des Irak gewesen, wo er am 21.4.1933 in Mossul geboren worden war, einem Land, dem er auch nach seiner Wahl 1980 eng verbunden blieb.

Deutschland und Europa wurde auch noch auf eine andere Weise von Patriarch Zakka I. geprägt, in dem er nämlich in ganz Europa (und darüber hinaus) ungewöhnlich junge Erzbischöfe und Bischöfe einsetzte. Bei seinem Tod waren 22 der 41 höchsten Würdenträger (außer dem indischen Katholikos) von ihm eingesetzt worden. Er folgte dabei dem Beispiel, das an ihm gegeben wurde, als er 1963 mit 30 Jahren Erzbischof und Metropolit des Irak wurde.

 

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