Auf dem Blog peregrinatio findet sich ein (ironischer) Brief an „Jesus von Nazareth“ in Sachen der EKD-Orientierungshilfe zum Thema Familie, der Jesus vorwirft, in Sachen Familie ein schlechtes Vorbild gewesen zu sein. Der Antwortbrief dazu ging versehentlich bei uns ein:

Sehr geehrter Vorstand von CHEF (Christliche Hüter von Ehe und Familie),

obwohl ich mich immer sehr freue, wenn sich Menschen mit ihren „Klagen“ an mich wenden, scheint hier doch eine Verwechslung vorzuliegen, da ich nicht der Ratsvorsitzende der EKD bin. Auch wenn dessen Mitglieder überwiegend durchaus etwas älter sind, geht mein Alter von 2019 Jahren etwas über die vereinbarte Altersgrenze hinaus.

Aber nach Studium des Dokuments, auf das Sie anspielen, kann ich Ihre Verwirrung nachvollziehen, da sich das Dokument dauernd auf mich beruft, selbst dann, wenn es mir die Worte im Mund herumdreht. Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, dass ich die Schöpfung von Geschlechtlichkeit, Sexualität und Ehe für den Höhepunkt der genialen Schöpfung meines Vaters halte, deren Aufweichung man nur wegen knallharter Herzen (Matthäus 19,8; Markus 10,5) und der zerbrochenen Schöpfung besprechen muss. Na ja, mit so was muss man leben, wenn man so berühmt ist, wie ich, und mehr über einen geschrieben wurde, als über jeden anderen.

Was nun mein Vorbild betrifft, liegt hier vermutlich eine Verwechslung mit dem Islam vor, da dort alles, was Mohammed getan und gesagt hat, als unmittelbares und fest verbindliches Vorbild gilt. Ob Mohammed wusste und wollte, dass selbst die Frage, mit welchem Fuß er das Bad zuerst betrat, zum Gesetz für Millionen werden würde? Meine langen Haare und meine Sandalen habe ich jedenfalls nie als Aufforderung an alle gesehen, auf Jahrtausende ebenso herumzulaufen. Und es muss auch nicht jeder mit 12 Jahren seinen Eltern ein Paar Tage weglaufen. Meinem Vorbild folgt man nach, wenn man anderen die Füße wäscht und wenn man zum Opfer für andere bereit ist, nicht, wenn man meinen Lebensstil nachmacht. Probieren Sie’s mal aus!

Sie schreiben: „Gerüchten zufolge soll Ihr leiblicher Vater nicht der Ehemann ihrer Mutter gewesen sein.“ Ja, tatsächlich, so ist es. Da ich nämlich keinen biologischen Vater habe, kann er auch schlecht mit meiner Mutter verheiratet gewesen sein. Sie sprechen dabei von „Gerüchten“. Das verblüfft mich doch etwas. Können in Deutschland inzwischen so viele nicht mehr lesen, dass sie die vier von meinem verlängerten Arm, dem Heiligen Geist, autorisierten Biografien nur als Gerücht kennen?

Ich gebe ja zudem gerne zu, dass es einen gewissen Glauben voraussetzt, dass ich ohne Zutun eines Mannes im Körper meiner Mutter gezeugt wurde. Da kann ich nur um Verständnis bitten, dass man, wenn man wie ich ganz Gott ist und zugleich ganz Mensch wurde, bisweilen von der üblichen Standardbiografie abweicht.

Ich habe lange überlegt, wie ich Ihnen beweisen kann, dass ich keinen leiblichen Vater habe. Ich fürchte aber, Sie müssen auf diesen Beweis warten, bis Sie mir am Ende der Welt gewollt oder ungewollt begegnen werden. Ich kann Ihnen nur versprechen: Es wird eine unvergessliche Erfahrung für Sie werden.

Sie spielen auf meinen Mitarbeiter Saulus von Tarsus an, der die Ehe als Notlösung bezeichnet habe. Das ist aber eine recht merkwürdige Übersetzung für den Begriff „Charisma“ (1. Korinther 7,7). Gemeint ist eigentlich, dass es Menschen gibt, für die von ihrem Typ und ihren Gaben her Alleinsein ein echter Gewinn ist, und andere, die für das Zusammenleben geboren sind. Aber vielleicht muss man ja Charismatiker sein, um das zu verstehen.

Ich hatte beim Lesen den schweren Verdacht, dass der Brief gar nicht von CHEF geschrieben wurde, sondern von einem Ghostwriter, der damit ganz andere Ziele verfolgt. Der Nachsatz „Achtung Ironie“ hat mir das dann weitgehend bestätigt.

Sie wissen ja wahrscheinlich, dass das von mir mit initiierte Heilige Buch Ironie sehr häufig verwendet, vor allem um Menschen mit der Nase auf Dinge zu stoßen, die sie sonst ungern zugeben würden. Bestellen Sie Ihrem Ghostwriter jedenfalls schöne Grüße und teilen Sie ihm mit, dass selbst der Rat der EKD mir inzwischen signalisiert hat, dass sie theologisch recht oberflächlich gearbeitet haben und hier nachbessern wollen. Ich werde mal überprüfen, ob das vielleicht daran liegt, dass sie sich mein Leben in Armut so sehr zum Vorbild genommen haben, dass sie den Mitarbeitern keine anständigen Gehälter zahlen konnten.

Achtung: Ironie!

 

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